Heizlast-Rechner
Wie viel Kilowatt muss deine Heizung leisten? Schätze Heizlast, Jahres-Wärmebedarf und den ungefähren Brennstoffverbrauch.
ℹ️ Nur eine Überschlagsrechnung. Für die Auslegung einer Wärmepumpe ist eine raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 durch einen Fachbetrieb nötig.
Wie der Heizlast-Rechner rechnet
Der Rechner multipliziert deine Wohnfläche mit der spezifischen Heizlast in Watt je Quadratmeter und erhält daraus die Heizlast in Kilowatt – also die Leistung, die das Heizsystem am kältesten Tag bereitstellen muss. Multipliziert mit den Vollbenutzungsstunden ergibt sich der Jahreswärmebedarf in Kilowattstunden. Für die Gasmenge teilt er diesen Wert durch zehn, weil ein Kubikmeter Erdgas rund zehn Kilowattstunden liefert.
Ein Beispiel, Schritt für Schritt
Mit den Startwerten: 130 Quadratmeter Wohnfläche, 70 Watt je Quadratmeter, 1.800 Vollbenutzungsstunden.
- Heizlast: 130 × 70 = 9.100 W = 9,1 kW
- Jahreswärmebedarf: 9,1 kW × 1.800 h = 16.380 kWh
- Gasmenge: 16.380 ÷ 10 = rund 1.640 m³
Die Vollbenutzungsstunden sind eine Rechenhilfe, keine echte Laufzeit. Sie beschreiben, wie lange die Anlage laufen müsste, wenn sie das ganze Jahr über mit voller Leistung arbeitete. In Deutschland liegt der Wert je nach Region und Gebäude zwischen 1.600 und 2.200 Stunden.
Die spezifische Heizlast nach Baujahr
Dieser Wert bestimmt das Ergebnis fast allein und hängt am energetischen Zustand des Gebäudes. Als Anhaltspunkte:
- Unsanierter Altbau vor 1978: 100 bis 150 W/m²
- Baujahr 1978 bis 1995: 80 bis 100 W/m²
- Baujahr 1995 bis 2002: 60 bis 80 W/m²
- Neubau nach EnEV 2002: 40 bis 60 W/m²
- KfW-Effizienzhaus: 25 bis 40 W/m²
- Passivhaus: 10 bis 15 W/m²
Teilsanierungen verschieben den Wert nach unten, aber selten so weit, wie man hofft: Neue Fenster in einer ungedämmten Wand bringen weniger, als die Prospekte versprechen, weil dann die Wand der schwächste Punkt ist.
Wenn dir deine tatsächliche Gasabrechnung vorliegt, ist sie jeder Schätzung überlegen. Rechne rückwärts: Jahresverbrauch in Kubikmetern mal zehn ergibt die Kilowattstunden, geteilt durch die Vollbenutzungsstunden ergibt die Heizlast, geteilt durch die Wohnfläche die spezifische Heizlast deines Hauses.
Was der Rechner nicht abbildet
Das Wichtigste zuerst: Für die Auslegung einer Wärmepumpe reicht diese Rechnung nicht. Dafür ist eine raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 durch einen Fachbetrieb vorgeschrieben, die jeden Raum einzeln mit seinen Außenflächen, Fenstern, Orientierung und Lüftungsverlusten erfasst. Der Unterschied ist kein Formalismus: Eine überdimensionierte Wärmepumpe taktet, verschleißt schneller und arbeitet mit schlechterer Jahresarbeitszahl. Eine zu kleine wird an kalten Tagen vom teuren Heizstab unterstützt. Beides kostet über die Lebensdauer weit mehr als die Berechnung.
Nicht enthalten ist außerdem das Warmwasser. Je nach Nutzung sind das 500 bis 1.000 Kilowattstunden pro Person und Jahr – bei einer größeren Familie also ein erheblicher Zusatzposten, der in dieser Rechnung schlicht fehlt. Bei vier Personen kommen leicht 3.000 Kilowattstunden auf den ermittelten Wärmebedarf obendrauf.
Ebenso außen vor bleiben die Gebäudegeometrie und die Lage. Ein freistehendes Haus verliert deutlich mehr Wärme als ein Reihenmittelhaus gleicher Fläche, weil es mehr Außenfläche hat. Ein Dachgeschoss über unbeheiztem Raum, eine Wohnung zwischen beheizten Nachbarn, eine Hanglage mit Westwind – all das verschiebt die Heizlast erheblich, ohne dass sich die Quadratmeterzahl ändert.
Und schließlich: Der Wert von zehn Kilowattstunden je Kubikmeter Erdgas ist eine Näherung. Der tatsächliche Brennwert steht auf deiner Gasrechnung und schwankt je nach Gasqualität und Netzgebiet typischerweise zwischen 9,5 und 11,5.
Wofür die Zahl trotzdem taugt
- Größenordnung prüfen. Wenn ein Angebot eine 20-Kilowatt-Anlage für ein Haus vorsieht, das rechnerisch bei 9 Kilowatt liegt, lohnt die Nachfrage. Überdimensionierung ist bei Heizungsangeboten der Normalfall, nicht die Ausnahme.
- Sanierung bewerten. Spiele die spezifische Heizlast vor und nach einer geplanten Dämmung durch – die Differenz im Jahreswärmebedarf ist dein Einsparpotenzial.
- Heizkosten überschlagen. Der Wärmebedarf mal deinem Arbeitspreis ergibt die reinen Energiekosten, noch ohne Grundpreis und Wirkungsgradverluste des Kessels.
- Wärmepumpen-Tauglichkeit einschätzen. Liegt die spezifische Heizlast unter 70 W/m², sind meist niedrige Vorlauftemperaturen möglich – die wichtigste Voraussetzung für einen effizienten Betrieb.
Häufige Fragen
Wie genau ist die überschlägige Heizlast?
Sie liefert eine gute erste Größenordnung. Für die tatsächliche Auslegung – besonders bei Wärmepumpen – ist eine raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 durch einen Fachbetrieb Pflicht.
Was sind Vollbenutzungsstunden?
Eine Rechengröße, die angibt, wie viele Stunden die Heizung rechnerisch unter Volllast liefe, um den Jahresbedarf zu decken. In Deutschland liegt sie meist zwischen 1.600 und 2.100 Stunden.
Wie komme ich auf meine spezifische Heizlast?
Orientiere dich am energetischen Zustand: Je besser gedämmt, desto niedriger der Wert. Der Energieausweis oder ein Energieberater liefern belastbarere Zahlen.
Kann ich damit meinen Gasverbrauch prüfen?
Ja, als Plausibilitätscheck. Vergleiche den errechneten Wärmebedarf mit deiner letzten Gasabrechnung – große Abweichungen deuten auf einen anderen Dämmstandard oder Nutzerverhalten hin.